Was sind IT-Tickets und warum sind sie wichtig?

Der Begriff „IT-Tickets“ ist ein Oberbegriff, der sich auf die Aufzeichnung der von Ihrer IT-Supportorganisation geleisteten (oder zu leistenden) Arbeit in Bezug auf den Betrieb der Technologieumgebung Ihres Unternehmens, die Behebung von Problemen und das Lösen von Benutzeranfragen bezieht. Tickets können viele verschiedene Arten von Aufgaben oder Aktivitäten darstellen. Sie hängen von der Art Ihrer IT-Umgebung und dem Schwerpunkt Ihres Support-Teams ab. Tickets können auch andere Bezeichnungen, etwa „Serviceanfragen“, „Trouble Tickets“ oder „Supportfälle“, haben. Die meisten Organisationen und Benutzer sind aber mit dem Begriff „IT-Ticket“ vertraut. Um alles verständlicher zu gestalten, verwenden wir diesen Begriff hier ebenfalls.

IT-Tickets sind für Ihr Unternehmen wichtig, da sie alle ausgeführten Betriebs- und Supportaktivitäten protokollieren, damit Ihre IT-Umgebung stabil läuft und so einen Mehrwert für das Unternehmen erbringt. Tickets werden typischerweise in einem IT-Servicemanagement (ITSM)-System erfasst, wo sie verwaltet und aktualisiert werden. Wenn das Problem behoben oder die Aktivität beendet ist, werden sie dort auch aufbewahrt. IT-Helpdesks verwenden Tickets als Mittel zur Erfassung und Aufzeichnung von Interaktionen mit Benutzern. Operationsteams verwenden Tickets, um zu lösende technische Probleme zu verfolgen. Das IT-Management verwendet Ticketdaten, um die Arbeitsbelastung seiner Teams zu verstehen, Ressourcenentscheidungen zu treffen und Lieferantenpartnerschaften zu unterstützen.

Die effektive Verwaltung von IT-Tickets ist ein wichtiges Element, um sicherzustellen, dass Ihr Unternehmen den vollen Wert seiner IT-Investitionen erhält. Es handelt sich um ein wichtiges Konzept, das den Kern Ihrer IT-Operationen betrifft. Die Nutzung von Best Practices beim IT-Ticketing ist ein guter Ansatz, um Ihre IT-Funktion bei der Kostenkontrolle zu unterstützen, bessere Systeme und Dienste für Benutzer bereitzustellen und die Auswirkungen von geschäftsunterbrechenden Ereignissen abzumildern.

IT-Tickets und ITIL

ITIL (früher bekannt als „IT Infrastructure Library“) stellt die gesammelten Best Practices und Standards der Branche dar und erläutert, wie IT-Servicemanagement durchgeführt werden sollte. Es ist wichtig zu beachten, dass ITIL IT-Tickets nicht direkt beschreibt, sondern IT-Incidents und IT-Serviceanfragen, die Arten von IT-Tickets sind. Obwohl ITIL unterschiedliche Terminologien verwendet, enthält es wertvolle Best Practices für das IT-Ticketing im Bereich Servicebetrieb. Es lohnt sich, diese Best Practices anzusehen und zu verstehen.

Ticketarten

Der Begriff „IT-Ticket“ kann sich auf eine Vielzahl verschiedener Arten von Supportanfragen und Aktivitäten beziehen, die Ihre IT-Funktion ausführt. Ein Vorteil der Verwendung von Tickets als allgemeine Aufzeichnungsmethode für diese Dinge (anstatt sie unabhängig voneinander zu behandeln) besteht darin, dass sie ähnliche Daten haben, ebenso wie einen ähnlichen Lebenszyklus/Workflow. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie oft von denselben Personen bearbeitet werden. Die Bearbeitung von Anfragen und Aktivitäten als Tickets trägt dazu bei, die Produktivität der Mitarbeiter zu steigern, die Anzahl der Kontakte der Benutzer zur IT zu minimieren und die Datenanalyse sowie -berichterstattung zu vereinfachen.

Ereignisse

Ereignisse sind Aufzeichnungen über Geschehnisse, die in Ihrer IT-Umgebung stattgefunden haben. Dies können zeitpunktbezogene oder länger währende Ereignisse sein. Beispiele für Ereignisse sind Releases, Ausfälle, Wartungsarbeiten und geplante Änderungen.

Warnmeldungen

Warnmeldungen sind Indikatoren dafür, dass in Ihrer IT-Umgebung etwas passiert sein könnte oder dass etwas außerhalb der vordefinierten Leistungsgrenzen verläuft. Die meisten Warnmeldungen werden durch automatisierte Überwachung und Fehlerbehandlung generiert.

Incidents

Incidents sind ungeplante Unterbrechungen oder Qualitätseinbußen eines IT-Service oder Ausfälle einer Komponente in Ihrer IT-Umgebung, wobei  der Service noch nicht beeinträchtigt wurde. Beispiele für Incidents sind Ausfälle, Fehler und Leistungsprobleme. Incidents haben einen bestimmten Anfang und ein festgelegtes Ende, die von der Art des Ereignisses abhängen.

Anfragen

Anfragen, auch „Serviceanfragen“ genannt, sind Routinetätigkeiten wie die Anforderung von Zugriff, das Zurücksetzen von Passwörtern, das Aktualisieren von Daten oder das Bereitstellen von Diensten für Ihre operationellen Systeme und Leistungsangebote durch Ihr IT-Supportteam. Sie zeigen nicht an, dass etwas nicht funktioniert, sondern nur, dass etwas getan werden muss.

Fragen

Benutzerfragen sind Anfragen zu Informationen oder Erklärungen dazu, wie Ihre Systeme und Services funktionieren. Tickets, die für Benutzerfragen geöffnet werden, spiegeln oft den Bedarf für eine qualitativ bessere oder besser zugängliche Dokumentation und/oder intuitivere Benutzeroberflächen auf Ihren Systemen wider.

Best Practices im IT-Ticketing haben gezeigt, dass es hilfreich ist, alle diese Punkte einheitlich als „Tickets“ zu verwalten, sie aber zugleich auch nach der Art des Anliegens zu klassifizieren. Einzelne Tickettypen können jeweils zusätzliche Anforderungen an Daten, spezifische Workflows, die sie durchlaufen, und spezielle Berichtsüberlegungen haben. Das Verständnis der verschiedenen Arten von verarbeiteten Tickets ist ein wichtiger erster Schritt, um sicherzustellen, dass Ihre Ticketmanagementprozesse und unterstützenden ITSM-Systeme optimiert sind, um die individuellen Anforderungen Ihres Unternehmens erfüllen.

Tickets erstellen

Die Ticketerstellung ist die wichtigste Phase im Lebenszyklus eines Supportanliegens. Die getroffenen Entscheidungen (wann Tickets erstellt werden sollen [oder nicht], welche Informationen gesammelt werden müssen, wie Tickets erstellt werden sollen und welche erste Antwort dem Antragsteller gegeben werden soll) beeinflussen die Geschwindigkeit, Qualität und Wahrnehmung des bereitgestellten Supports.

Wann soll ein Ticket erstellt oder nicht erstellt werden?

IT-Tickets sind eine Aufzeichnung von Aktivitäten und Anliegen, die Aufmerksamkeit erfordern. Die Entscheidung, ob ein Ticket erstellt werden soll oder nicht, ändert nichts daran, ob die zugrunde liegende Aufgabe noch ausgeführt werden muss. Allgemeine Best Practices für das IT-Ticketing legen nahe, dass ein Ticket erstellt werden sollte, wenn eine der folgenden Voraussetzungen vorliegt:

Es gibt zwei Szenarien, in denen Unternehmen oft darauf verzichten, Tickets zu erstellen, wenn Best Practices dies nahelegen. Es handelt sich um Anliegen, die vom Benutzer mithilfe von Self-Service-Informationen oder Tools gelöst werden und um Systemwarnungen und Ereignisse, die ohne manuelle Eingriffe (z. B. durch einen automatischen Neustart von Services) behoben werden. Es ist wichtig, Tickets für diese Szenarien aufzuzeichnen, da sie potenziell benutzerrelevante Situationen darstellen, die im Rahmen Ihres Problemmanagements und Ihrer Servicesicherung analysiert und überprüft werden sollten.

Ticket-Quellen

Es gibt drei Hauptquellen für IT-Tickets. Da Tickets Aufzeichnungen von Aktivitäten oder Problemen sind, ist es wichtig zu beachten, dass dies die Quellen der Ticketaufzeichnungen sind und nicht die Quelle oder Ursache der Aktivität selbst.

Vom System generierte Tickets

Die meisten modernen IT-Systeme beinhalten Überwachungs- und Fehlerbehandlungsfunktionen, um Tickets in einem ITSM-System automatisch aufzuzeichnen, wenn ungewöhnliche Ereignisse oder Zustände auftreten.

Von Benutzern erstellte Tickets

Die häufigste Quelle von IT-Tickets sind Endbenutzer von IT-Systemen und -Services, die Support über eine Art von Self-Service-Portal, per E-Mail oder über eine eingebettete „Hilfe erhalten“-Funktionen anfordern.

Von Agenten erstellte Tickets

Helpdesk-Agenten, Betriebsmitarbeiter und Mitarbeiter der Leitstelle erfassen Tickets für Situationen, in denen eine Supportaktivität eingeleitet wird, aber noch kein Datensatz vorhanden ist. Beispiele sind das Anrufen eines Helpdesk, Wartungsaktivitäten und die Überwachung von Warnmeldungen.

Datenerfassung für die Ticketerstellung

Die Daten, die Sie beim Erstellen eines IT-Tickets erfassen und aufzeichnen, sind für die Effizienz Ihrer Supportprozesse von entscheidender Bedeutung. Sie müssen genügend Daten sammeln, um das zugrunde liegende Problem genau darzustellen, zu klassifizieren und an die richtige Supportressource weiterzuleiten. Sie wollen aber keine zusätzlichen und unnötigen Daten sammeln – das würde den Supportprozess verlangsamen und Zeit sowie Ressourcen verschwenden. Die Herausforderung für die meisten IT-Organisationen besteht darin, dass sie nicht wissen, welche Daten sie zukünftig benötigen werden. Das Ergebnis ist, dass sie entweder zu viel sammeln oder später beim Benutzer fehlende Informationen erfragen müssen. Unternehmen neigen zudem dazu, bereits vorhandene Daten erneut zu sammeln (z. B. Benutzerkontakt-, Asset- und Standortdaten).

Die Best Practices für das IT-Ticketing sehen vor, die Datenerfassung für die Ticketerstellung auf die wichtigsten Referenzdaten zu konzentrieren. So können bereits vorhandene Daten genutzt werden. Sammeln Sie beispielsweise eine Benutzer-ID oder E-Mail-Adresse und verwenden Sie diese, um Kontakt- und Standortdaten abzurufen. Erfassen Sie ein Asset-Tag oder eine Gerätekennung und suchen Sie nach Konfigurations- und Versionsinformationen. Erfassen Sie den Namen des betroffenen Systems oder Service, um Überwachungsdaten nachzuschlagen und Datensätze zu ändern. Um diesen Ansatz effektiv umzusetzen, muss Ihr IT-Ticketing-System gut in Ihre anderen ITSM-Funktionen wie Änderungsmanagement, IT-Assetmanagement und Monitoring-Tools sowie Ihre Benutzerkonten-Datenbank integriert sein.

Die beiden zusätzlichen Daten, die bei von Benutzern erstellten Tickets gesammelt werden sollten, und die von Supportmitarbeitern erfasst werden, sind die Antworten auf die Fragen: „Was sind die Auswirkungen des Problems?“ und „Wie können wir dieses Problem reproduzieren?“ Die Antworten auf diese beiden Fragen können in der Regel nur vom Endbenutzer gegeben werden und sind wichtig, um die Brisanz des Tickets zu beurteilen und ihm die entsprechende Ticketpriorität zuzuweisen.

Ein aktueller Trend im Support ist, dass Benutzer Tickets mit mobilen Geräten erstellen. Diese Geräte bieten die Möglichkeit, eine Reihe zusätzlicher Informationen zu sammeln, die den Supportprozess unterstützen können. Erstens geht es dabei um die Geolokalisierung, denn die meisten mobilen Geräte sind GPS-fähig und können Standortinformationen mit installierten Anwendungen austauschen. Diese Standortdaten können den Mitarbeitern helfen, Probleme im Zusammenhang mit der Konnektivität und der Netzwerklatenz, die für den Benutzer als System- oder Serviceprobleme erscheinen können, besser zu diagnostizieren. Mobile Geräte sind normalerweise auch mit Kameras ausgestattet und können Screenshots sowie Videos nehmen. Bekanntlich „sagt ein Bild mehr als 1000 Worte“, daher ist es für den Benutzer effizienter, mit einem Bild zu veranschaulichen, was er meint, anstatt zu versuchen, es in Worten zu erklären.

Bereitstellung einer ersten Antwort an den Anfragesteller

Möglicherweise können Sie nicht sofort mit der Arbeit an einem Ticket beginnen, aber die Anfragenden erwarten von Ihnen, dass Sie ihre Ticketanfrage sofort bestätigen und beantworten. Die Best Practices für das IT-Ticketing betonen, dass nach der Erstellung versendete automatisierte E-Mail-Bestätigungen, die die Ticketnummer, die erwartete Reaktionszeit und einen Link enthalten (über den der Anfragende den Status einsehen kann), wichtige Bestandteile eines Tickets sind. Eine solche Bestätigung sollte sofort nach dem Eingang des Tickets an den Anfragesteller gesendet werden. Eine ausbleibende Bestätigungs-E-Mail ist eine der häufigsten Ursachen für die doppelte Erstellung von Tickets, da der Anfragesteller unsicher ist, ob sein ursprüngliches Ticket eingegangen ist.

Best Practices für Ticketinhalte

Ein IT-Ticket hat in der Regel eine Grundstruktur, die sich in den Ticketkopf und den Ticketkörper gliedert. Der Ticketkopf enthält Informationen über den Anfragesteller, eine kurze Beschreibung des gemeldeten Problems, Daten zur Klassifizierung der betroffenen Systeme und alle Zeitstempel, die für die Berechnung von SLAs verwendet werden. Die im Ticketkopf enthaltenen Daten werden für die Verwaltung des Tickets über seinen gesamten Lebenszyklus verwendet. Im Gegensatz dazu werden die Daten im Ticketkörper für die Untersuchung und Lösung des Tickets verwendet. Zu den Daten im Ticketkörper gehören typischerweise Dinge wie Schritte zum Reproduzieren des Problems, Benutzerkorrespondenz, Hinweise zur Fehlerbehebung und Maßnahmen zur Lösung des Tickets. Es ist wichtig, zwischen Kopf- und Körperdaten zu unterscheiden, da diese jeweils einen eindeutigen Zweck im IT-Ticket-Prozess erfüllen.

Individuelle Datenfelder oder Freiformnotizen?

Ein häufiges Problem, mit dem Unternehmen bei der Gestaltung ihrer IT-Ticketing-Systeme konfrontiert sind, ist die Festlegung, welche Daten in speziellen Feldern in den Tickets und welche in Freitextfeldern (Notizen) zu sammeln sind. Spezielle Datenfelder sind für Analysen, Berichte und die Steuerung von Workflow-Automatisierungsregeln einfacher zu verwenden, benötigen aber wesentlich mehr Zeit zum Ausfüllen als Freitextfelder.

Die Best Practices für das IT-Ticketing legen nahe, dass spezielle Datenfelder am besten für Ticketkopfdaten, die typischerweise nur einmal erfasst (also nicht häufig aktualisiert) werden, und für systemseitig generierte Daten (wie Zeitstempel) geeignet sind. Da die Ticketkopfdaten am häufigsten für Dinge wie Warteschlangenpriorisierung, Routing-Regeln und Berichtswesen verwendet werden, erleichtert die Verwendung einzelner Datenfelder diese Aufgaben. Diagnosedaten, Benutzerinteraktionen und Hinweise zur Fehlerbehebung im Ticketinhalt eignen sich am besten für Freiform-Textfelder, denn sie ermöglichen das Kopieren und Einfügen großer Datenblöcke.

Agenten- und Anfragendenansicht

Eine wichtige Best Practice für das IT-Ticketing ist die Bereitstellung mehrerer Ansichten Ihrer Ticketdaten. Häufig gibt es detaillierte technische Informationen, Hinweise zur Fehlerbehebung und potenziell vertrauliche Daten (wie bekannte Probleme und Sicherheitsmängel), die als Teil der Agentennotizen auf IT-Tickets erfasst werden. Diese Daten sind nicht dazu bestimmt, vom Anfragenden oder jemandem außerhalb der Support-Organisation eingesehen zu werden. Die Ticketansichten des Anfragenden müssen besonders geprüfte, bearbeitete und formatierte Informationen enthalten, die Klarheit schaffen und zusätzliche Verwirrung vermeiden. Die Best Practices im IT-Ticketing legen nahe, Notizen der Agenten und die Kommunikation mit den Antragstellern in separaten Feldern innerhalb des Ticketinhalts zu verwalten. Damit wird eine versehentliche Offenlegung von Daten vermieden.

Tickets klassifizieren

Die Ticketklassifizierung ist ein wichtiger Bestandteil moderner Ticketingprozesse. Klassifizierungsdaten werden verwendet, um SLA-Erwartungen festzulegen, Tickets an die richtigen Supportteams weiterzuleiten und Tickets für Analyse- und Berichtszwecke zu gruppieren. Die regelbasierte Workflow-Automatisierung nutzt Ticketklassifizierungsdaten als zentrales Werkzeug zur Verbesserung der Effizienz von Supportprozessen. Es gibt 4 wichtige Klassifizierungsdaten, die IT-Tickets enthalten sollten

Tickets müssen genau und konsistent klassifiziert werden, damit sie von Ihrem Supportteam die entsprechende Aufmerksamkeit erhalten und sichergestellt ist, dass die für das Unternehmen wichtigsten Fragen zuerst behandelt werden.

Routing von Tickets

Das ITSM-System Ihres Unternehmens wird wahrscheinlich eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von Tickets zwischen den Supportteams spielen. Geschäftsregeln und Automatisierung können dazu beitragen, schnelle und effektive Weiterleitungen zu gewährleisten. Letztendlich wird das Ticket-Routing aber von Ihren Supportmitarbeitern und den Daten, die sie in das Ticket eingeben, bestimmt. Die Best Practices für das IT-Ticketing legen nahe, dass der effektivste Weg gegen Fehlleitungen von Tickets darin besteht, den Agenten den Ablauf des Ticket-Routing zu erklären. Es gibt drei gängige Routing-Szenarien für IT-Tickets, mit denen Ihre Supportmitarbeiter vertraut sein sollten.

Weiterleitung an interne Supportteams

Der größte Teil des Ticket-Routings erfolgt innerhalb des Helpdesks oder der IT-Supportorganisation und leitet Tickets an spezialisierte Ressourcen weiter, die die entsprechenden Fähigkeiten und/oder Erfahrungen zum Bearbeiten und Lösen haben. So können beispielsweise Tickets für Kontenberechtigungen an ein Access-Management-Team weitergeleitet werden oder komplexe Softwareprobleme an erfahrene technische Ressourcen mit Zugriff auf den Quellcode. Das interne Routing wird oft als Neuzuordnung bezeichnet, da der ursprüngliche Bearbeiter die Zuständigkeit überträgt und beim Routing von der Verantwortung für das Problem entbunden wird.

Routing zu externen Supportpartnern

Einige Unternehmen nutzen Drittanbieter und Komponentenlieferanten, um Tickets zu lösen. Diese externen Partner verwenden in der Regel nicht das gleiche Ticketing-System wie Ihr Helpdesk. Das Weiterleiten von Tickets an sie erfordert oft, dass das Ticket im System des Partners neu erstellt und innerhalb des internen Tickets darauf Bezug genommen wird. Der bearbeitende Agent behält die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit für die Vermittlung von Statusaktualisierungen an den Anfragenden, während die Drittpartei das zugrunde liegende Problem löst. Diese Vorgehensweise macht dieses Szenario einzigartig.

Follow-the-Sun-Support

Viele globale Unternehmen lassen Anliegen rund um die Uhr von ihren IT-Supportmitarbeitern bearbeiten – oft in mehreren Supportzentren in verschiedenen Regionen. Am Ende der Arbeitszeit an einem Standort werden offene Tickets zur weiteren Fehlerbehebung an ein anderes Support-Center übergeben. Dieses Routing-Szenario ähnelt dem internen Routing des Supportteams. Ausnahme: Es wird erwartet, dass aktive laufende Arbeiten so weitergeleitet werden, dass ein kontinuierlicher Support aufrechterhalten werden kann (das Ticket geht nicht zurück in die Warteschlange zur Neupriorisierung).

Indem sie sicherstellen, dass Support-Agenten verstehen, wie diese Routing-Szenarien funktionieren, wie man Routing-Regeln anlegt sowie kontrolliert und wie die Zuständigkeit für das Ticket wechselt, können sie Tickets effektiver weiterleiten und das Problem des Nutzers schneller lösen.

Verwalten von Ticket-Warteschlangen

Wenn Tickets erstellt und/oder an ein neues Supportteam weitergeleitet werden, erfolgt in der Regel die Zuordnung zu einer Warteschlange oder einem Backlog anstatt direkt zu einer Person. Warteschlangen ermöglichen es Managern und Supportteamleitern, die Arbeit ihres Teams zu priorisieren. Damit stellen sie sicher, dass die wichtigsten Themen zuerst behandelt werden. Viele Unternehmen wenden einen First-in/First-out (FIFO)-Ansatz für das Warteschlangenmanagement an. Aber IT-Ticketing-Best-Practices empfehlen die Verwendung einer Kombination von sieben Schlüsselfaktoren für die Priorisierung von Tickets in Support-Warteschlangen (ohne bestimmte Reihenfolge):

Warteschlangenmanagement ist Workload-Management und während Automatisierungsregeln bei der Priorisierung von Warteschlangen helfen können, ist oft eine subjektive Bewertung der sieben Faktoren und ein Vergleich mit den verfügbaren Ressourcen notwendig. Andere Überlegungen (wie SLA-Compliance, Kapazitätsoptimierung und Supportkosten) können ebenfalls in die Entscheidungen zur Priorisierung der Warteschlangen einfließen.

Ticketing-Metriken und SLAs

Service Level Agreements (SLAs) sind ein Messinstrument zur Leistungsbewertung bei der Ticketabwicklung anhand eines vorher festgelegten Kriterienkatalogs. Noch wichtiger ist, dass sie ein Instrument sind, um das Verhalten bei der Bearbeitung von Tickets durch Ihr Supportteam und externe Partner zu steuern. Die definierten SLA-Messbereiche und -Leistungsziele bestimmen, wie sowohl Teams als auch einzelne Personen mit ihrem Supportaufkommen umgehen. Es ist üblich, IT-Tickets anhand von zwei SLAs zu bewerten:

Beide SLAs konzentrieren sich auf die Schnelligkeit der Reaktion sowie der Ticketlösung und fördern damit eine rasche Lösung durch die Agenten. Dabei gilt es jedoch, einige Aspekte zu bedenken. IT-Support kann kostspielig sein. Während die genannten SLAs zur Kostenkontrolle beitragen können, müssen Unternehmen darauf achten, dass dies nicht zu unerwünschten Verhaltens- und Qualitätsproblemen führt. Die Best Practices im Bereich IT-Ticketing zeigen, dass SLAs für die Qualität des Supports und die Kundenzufriedenheit ebenfalls einbezogen werden sollten. Agenten werden damit ermutigt, sich auf die Lösung des zugrunde liegenden Problems des Benutzers zu konzentrieren – und nicht bloß darauf, das Ticket zu schließen. Am effektivsten sind Ticket-SLAs, wenn sie messbar sind und spezifische Leistungsziele beinhalten.

Zusätzlich zu den SLA-Metriken schlagen die Best Practices des Ticketing vor, bestimmte Metriken zu erfassen, um die Gesamtleistung Ihrer Supportaktivitäten zu bewerten und Bereiche für Verbesserungen zu identifizieren. Diese Metriken sind:

Eskalationen

IT-Tickets können komplex sein und es ist nicht zu erwarten, dass die Agenten in der Lage sein werden, jedes Problem innerhalb der ihnen vorgegebenen Ziel-SLAs zu lösen. Tickets müssen manchmal eskaliert werden, entweder intern (es ist Hilfe von jemand anderem im Team erforderlich) oder durch Weiterleiten des Tickets an eine kompetentere Gruppe (intern oder extern). Es gibt drei Schlüsselszenarien, die eine Eskalation von IT-Tickets auslösen:

Ticket-Eskalationen sollten als Übergaben (intern oder extern) behandelt werden und alle einem ähnlichen Prozess folgen. Der Agent sollte den aktuellen Status des Tickets zusammenfassen und dabei alle Beobachtungen, Annahmen und fehlenden Informationen sowie alle durchgeführten Diagnose- und/oder Abhilfemaßnahmen notieren. Diese Informationen sind entscheidend, damit der Ticketempfänger die Situation schnell beurteilen und weiterhin Support bieten kann. Die Best Practices im Bereich Ticketing sehen vor, dass Eskalationen als positive Maßnahme behandelt werden sollten. Es ist also lobenswert, wenn ein Agent den Bedarf frühzeitig erkennt und keine Zeit mit Tickets vergeudet, von denen er weiß, dass er sie nicht lösen kann.

IT-Tickets mit anderen Daten verknüpfen

IT-Tickets sind ein zentraler Bestandteil Ihres IT-Supports. Sie werden aber noch wertvoller, wenn sie mit anderen ITSM- und Partnerdaten verbunden sind. Sie sollten in der Lage sein, Ihre IT-Tickets mindestens mit den folgenden zugehörigen Datensätzen zu verknüpfen:

Mit einer effektiven Datenintegration können Ihre Supportmitarbeiter auf die unterstützenden Daten zu jedem dieser verbundenen Objekte zugreifen und müssen diese nicht erneut in das Ticket selbst eingeben. Dies spart Zeit sowie Aufwand und erbringt weitere Informationen, die bei der Lösung des Nutzerproblems hilfreich sein können.

Workflow-Integration mit anderen ITSM-Prozessen

Die Best Practices empfehlen auch, Ihre IT-Ticketing-Prozesse in andere verwandte ITSM-Prozesse innerhalb Ihres Unternehmens zu integrieren.

Lösungsentwicklung

Tickets können Funktionsanfragen und Benutzer-Feedbacks enthalten, die den Entwicklern bei der Verbesserung der Leistung und Benutzerfreundlichkeit von IT-Systemen und -Services helfen.

Änderungsmanagement

Änderungswünsche stehen oft in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen, die zu vielen IT-Tickets führen und/oder diese lösen. Die Integration von Änderungsmanagement und Ticketing-Workflows ermöglicht einen besseren Einblick in die Effektivität geplanter Änderungen.

Wissensmanagement

IT-Ticketing ist am effektivsten, wenn die Agenten die Erfahrungen und Erkenntnisse aus früheren Tickets nutzen. Ihr Ticketing-Prozess sollte Bestimmungen für die Erstellung und die Nutzung von Wissensartikeln enthalten.

Systemüberwachung

Die Ticketing-Integration mit Überwachungsfunktionen und systemgenerierten Tickets ist die Grundlage für einen proaktiven Support (Behebung von Problemen, bevor die Benutzer eine Auswirkung bemerken).

Problemmanagement

IT-Tickets sind eine wichtige Datenquelle zum Identifizieren, Erkennen und Lösen von Problemen in Ihrer IT-Umgebung. Problemmanagement ist auch die Quelle für Daten zu bekannten Problemen in Ihren IT-Systemen.

Die grundlegende Idee aller dieser Best Practices im Bereich IT-Ticketing ist die Optimierung Ihrer Mitarbeiter, Prozesse, Daten und Systeme, so dass sie das tatsächliche Benutzerproblem lösen und nicht einfach nur das jeweilige Ticket bearbeiten, um es zu schließen. IT-Tickets sind eine Aufzeichnung der zu leistenden IT-Supportarbeit und ein Werkzeug für ein effektiveres Workload-Management.

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